AR-Artist Nadine Kolodziey im Kurzinterview

Heute stelle ich Dir die AR-Künstlerin und Illustratorin Nadine Kolodziey in meiner kleinen Interviewreihe vor!

Außerdem hatte ich sie auch gerade in meinem Podcast zu Gast. Die 61. Folge findest Du am Ende des Artikels und kannst direkt reinhören.

1. Wer bist Du und was machst Du?

Ich bin Nadine Kolodziey, Visual Artist und lebe in Frankfurt und Berlin.

2. Warum beschäftigst Du Dich mit Design, Illustration und AR? 

Meine Arbeit lebt von der Schnittstelle analoger und digitaler Technik, ich vermische gern Augmented Reality, 3D Grafik und Realraum/ reale Skulptur.

Illustrative Arbeit von Nadine Kolodziey

„Sweat Boys Peng“: NFT Arbeit für das Project Golden Visa des Kollektivs Peng, Berlin 3D Rendering (Nadine Kolodziey, 2021)

Die Interaktionsmöglichkeit der Besucher mit meiner Arbeit ist mir sehr wichtig. Daher habe ich viel im Bereich Selfie-Parks und immersive Art produziert. Gerade die Kombination beider Welten als Einladung zur Interaktion für die User reizt mich ungemein.

3. Wie kommst Du am besten in den kreativen Flow?

Auf einen Tag bezogen: Nach dem morgendlichen 10 Minuten Yoga ist es eigentlich sofort das Nächste auf der Liste. Gleich ins Studio/ an den Schreibtisch, ohne Umwege.

Frühstück esse ich auch später weil ich oft meinen ersten Motivations- / Kreativitätsschwung direkt nach dem Aufstehen und ein bisschen Bewegung bekomme.

Den zweiten Schwung oder Flow bekomme ich gegen 19/20 Uhr, was manchmal anderen Terminen oder privaten Verabredungen in die Quere kommt. Aber während des Lockdowns habe ich vor allem Abends noch gut arbeiten können.

AR-Anwendungsbeispiel von Nadine Kolodziey

„Spring Walk“ für Adobe Aero, AR Experience von Nadine Kolodziey (Foto: Sebastian Heindorff, 2021)

Auf die Woche bezogen, brauche ich Input und Ausgleich aus meinem Umfeld, beim Sport, in der Natur, beim Lernen neuer Tutorials oder dem Schlendern auf Flohmärkten, um mich zu inspirieren und zu entspannen.

4. An welchem Projekt sitzt Du aktuell und was planst Du für die nächste Zeit?

Gerade ist die nationale Behind the Mac / Hinter dem Mac, eine große Kampagne von Apple gestartet, bei der ich als eine von 23 Kreativen Einblicke in meine Arbeit (mit Augmented Reality am Mac) gebe.

Außerdem habe ich vor kurzem eine erste mobile Pop-up Version meines Selfieparks in Witten ausgestellt und arbeite and einem kollaborativen AR Tarotkarten-Projekt, also eine bunte und sehr aufregende Mischung.

5. Was war Dein schönstes Projekt bisher?

Ein absolutes Meilenstein Projekt ist die Behind the Mac / Hinter dem Mac-Kampagne. Sie ist für mich persönlich das bis jetzt größte Projekt, neben animierten 3D Artworks wird mein Beitrag insgesamt 5 AR Snapchat Linsen enthalten.

Das bedeutet, die in ganz Deutschland plakatierten Motive können über einen Snapcode zum Leben erweckt werden.

Konzept meiner Arbeit ist es, eine neue Natur in die vom Lockdown noch leerstehenden Städte zurückzubringen. So kann der/die User*in virtuell meine AR Pflanzen in den Städten, aber auch auf dem eigenen Körper wachsen lassen: Dazu kommt die erste offizielle Apple Facelens, die ich zusammen mit dem Team von Snapchat und Atomic entwickeln durfte.

Ich habe in dem Projekt so viel gelernt und so großes Vertrauen der Projektleitung in meine Arbeit als upcoming Artist bekommen, ein wirklich tolles Gefühl.

6. Wie tastest Du Dich an neue Technologien, Soft- und Hardware heran?

"Redrawn Circles Saladparty" – Illustrative Arbeit von Nadine Kolodziey

„Saladparty“, 3D Rendering für die Ausstellung Redrawn Circles 2021 Frankfurt (Nadine Kolodziey, 2021)

Learn to unlearn ist für mich eine der wichtigsten Orientierungen geworden. Gerade mit den sich super schnell entwickelnden Technologien gibt es kein klassisches Expertentum mehr. Die Anforderungen verschieben sich eher dahin, lebenslang zu lernen, offen zu sein und sich den neuen Möglichkeiten und Herausforderungen zu stellen.

Dieser Innovationsdrang passt gut zu meiner Arbeitsweise, da ich gern mit dem Unbekannten arbeite und schnell gelangweilt bin.

Ein Reset und Lernen macht mir nicht nur Spaß, sondern bringt immer auch neue Möglichkeiten für andere Projekte mit.

So entstehen für mich Prozess-Ketten und man entfernt sich von der einschränkenden Logik der hohen Erwartung an das finale, einzigartige Werk.

Spielen wie ein Kind ist hier quasi der beste Tipp und genauso unbedarft und direkt schaue ich mir immer gern neue Technologien an. Bis jetzt hat sich dieser Ansatz für meine Arbeitsweise bewährt, aber das ist natürlich sehr typ- und arbeitsabhängig.

7. Was ist der wichtigste Tipp, um an Aufträge und coole Jobs zu kommen?

Nadine Kolodziey Portraitfoto

Nadine Kolodziey in ihrer analogen Arbeit zwischen dreidimensionalen Styroporskulpturen (Foto: SchreiberPötter)

Wenn man an die vorherige Frage anschließen wollte: Spielen und ehrlich zeigen was man gemacht hat.

Das klingt jetzt simpel aber heißt auch: Immer dranbleiben, ständig produzieren, gestalten, neue Dinge antesten, lernen und viel Zeit investieren.

Ich schicke eigentlich nie mein Portfolio ein oder mache Akquise. Meistens werden gerade die freien Arbeiten besser und finanzieren sich dann rückwirkend.

Beispielsweise findet ein Auftraggeber die freien Arbeiten gut und möchte gern in dieser Richtung zu einer anderen Thematik zusammenarbeiten.

Natürlich waren auch Förderpositionen wie zum Beispiel mein Jahr bei Adobe als Creative Resident (2018/2019) sehr entscheidend, da es mir die finanzielle Freiheit gegeben hat, mich forschend gestalterisch weiterzuentwickeln, und zum Beispiel mit Augmented Reality erst anzufangen.

Solche Förderungen sind sehr wichtig und auf solche Möglichkeiten sollte man sich immer bewerben.

8. Hast Du Vorbilder, wenn ja wen und warum?

Zach Liebermann weil er einen sehr experimentell/forschenden und visuellen Ansatz verfolgt, hier kann man viel lernen.

David O’Reilly setzt die Besucher*innen und die Interaktion in den Vordergrund. Er vermischt Ansätze aus dem Gaming für seine Kunst.

John Orion Young und  Misaki Kawaii schaffen sich eigene Kosmen und verkörpern vielleicht, was man unter einem verspielten künstlerischen Ansatz verstehen würde.

Yuichi Yokoyama, Gott der Narrative

9. Welche Bücher/Künstler*innen kannst Du empfehlen, die Dich künstlerisch, beruflich oder persönlich geprägt haben?

Eine sehr visuelle Auswahl: Yuichi Yokohama: „Travel“, die Poschauko-Brüder: „Nea Machina“Andy Goldsworthy: „Enclosure“, Masamune Shirow „Ghost in the Shell“ und Masashi Kishimoto: „Naruto“.

 

Danke für das Gespräch, liebe Nadine!

Die Antworten, die Du hier lesen kannst, sind kein Transkript aus der besagten Folge, sondern ein Bonus! Es lohnt sich also unbedingt, den Podcast mit Nadine anzuhören.


Dieser Artikel ist eine Ergänzung zum Interview mit Nadine Kolodziey in meinem Podcast «Der kreative Flow», Folge 61. Hier kannst Du Dir die Folge direkt anhören:

Der kreative Flow-Podcast

 

Cover-Fotografie: SchreiberPötter

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