Zeit für Isolation, Alleinsein lernen

Impuls #41: Zeit für Isolation

Im heutigen Impuls und Blogartikel erfährst Du, wie Dir Isolation im kreativen Prozess helfen kann. Alleinsein ist nicht einsam sein.

Alle weiteren Impulse, die Dich aktiv kreativ(er) machen, findest Du übrigens hier auf dem Blog.

Sich isolieren bedeutet Fokus!

Ich halte das «Sich zurückziehen und sich bewusst für sich Zeitnehmen» für sehr wichtig, um kreativ sein zu können.

«Zeit für Isolation» heißt auch eine Überschrift in meinem neuen Sachbuch «Kreative Identität & Selbsterkenntnis», das 2024 im Verlag Hermann Schmidt erscheint.
Warum ist mir das Thema also so wichtig für meinen kreativen Output und den kreativen Prozess ganz allgemein?

Das Buch "Kreative Identität und Selbsterkenntnis" von Roberta Bergmann

Mein neues Sachbuch „Kreative Identität und Selbsterkenntnis“, erscheint 2024 im Verlag Hermann Schmidt (Grafik: Verlag)

Zeitweise in die bewusst gewählte und selbstbestimmte Isolation zu gehen, ist unabdingbar, damit Du Dir über die eigenen Ziele klar werden, Zeit und Ruhe finden und überhaupt kreativ schaffen kannst. Es ist die Basis. Denn schwirrt der Kopf und bist Du nicht bei der Sache, kommst Du weder in den Flow, noch kannst Du guten kreativen Output erschaffen.

Für die Isolation gibt es viele Begriffe. Abgeschie­denheit, Abkapselung, Alleinsein oder Einsamkeit. Klar, einigen Begriffen haf­tet ein negativer Beigeschmack oder zumindest eine gewisse Ambivalenz an, vor allem, wenn jemand nicht gern allein ist oder sich schnell einsam fühlt.

Ich persönlich hatte nie ein Problem damit, allein zu sein. Mir ist und war nie langweilig und selten habe ich mich wirklich einsam und allein auf der Welt gefühlt und mich dann nach Gesellschaft gesehnt. 

Durch Isolation mit sich selbst zusammensein

Die deutsche Theoretike­ rin und Autorin Hannah Arendt schreibt: Einsamsein heißt mit sich selbst zusammensein. – und genau so empfinde ich es, wenn ich mit mir allein bin. Ich bin nicht vollkommen allein, denn ich bin ja mit mir zusammen. Ich finde Zeit zum Nachdenken, etwas, das ich kaum kann, wenn ich im Gespräch oder im Alltag mit anderen zusammen bin. Wenn ich aber nachdenke, führe ich ja, streng genommen, ein Gespräch mit mir selbst.

Und ich behaupte, dies ist wichtig, um zu wissen, wer ich bin, um mich besser kennenzulernen beziehungsweise mich zu (er)kennen. 

So kann ich außerdem erfahren, wer ich noch sein und was ich noch erleben möchte. Und ich bin gern mit mir zusammen. Ich behaupte, wer kreativ schafft, dem wird in der Regel nie lang­weilig und er*sie fühlt sich seltener allein als andere, denn die Beschäftigung mit den eigenen Gedanken, Ideen und mit sich selbst, wird als erfüllend wahrgenommen.

Goethe sah das übrigens ähnlich – wenn er etwas Neues schreiben wollte, brauchte er Ruhe vor anderen Menschen: Egal ob die Schreibkammer von Goethe, das Atelier, die Werkstatt oder eine Artist in Residence, alle Orte vereinen die Möglichkeit der Abgeschiedenheit der kreativ schaffenden Person von der Gesellschaft und dem Alltag.

Gerade in der heutigen Zeit brauchen wir weiterhin diese Orte, um überhaupt unsere kreative Stimme hören, Muße empfinden und kreativen Output produzieren zu können.

Die ewige Erreichbarkeit ist Gift für unsere Kreativität

Mehr denn je müssen wir für Arbeits­ und Rückzugsorte kämpfen, denn auf­ grund der permanenten Erreichbarkeit durch Internet und Smartgeräte sind wir ununterbrochen online und für andere verfüg­ und erreichbar. Wir verlernen das Alleinsein. Noch dazu gestaltet sich ein Rückzug von alldem als schwierig, wenn man nicht als asozial, egoistisch, weltfremd, unkommuni­kativ und schlecht erreichbar betitelt werden möchte.

Und das hätte ja im schlimmsten Fall negative Auswirkungen auf die eigene Auftragslage und somit Existenz. Zudem verlernen wir das Alleinsein. Es fühlt sich heutzutage nicht mehr gut an, sondern im Zweifel eher bedrohlich, sodass wir das Allein­ sein durch zwischenmenschlichen Kontakt oder zwischenmenschliche Hand­ lungen (E­Mails, Nachrichten, Telefon, Social Media) abbrechen. Kennst Du das vielleicht auch?

Aufgrund der ständigen Erreichbarkeit drohen die Zeit und Konzentration für Deine eigene Ideenfindung, Dein innerer Fokus und Deine Muße permanent zu schrumpfen. Auch der Zugang zu Deinem Unterbewusstsein wird Dir so erschwert. Dabei ist diese »Zeit für sich«, Zeit für die eigene kreative Identität, so unglaublich wichtig. Denn durch Selbstisolation und das Ausblenden aller anderen Bedürf­nisse und Ereignisse wird Deine Wahrnehmung auf das, was Dir wichtig ist, aber auch auf die Gesellschaft viel mehr geschärft als im trubeligen Arbeits­ alltag.

Informationsflut statt Ruhe

Hochsensibilität

Ruhe statt ewige Erreichbarkeit. (Bild: Pixabay)

Und noch ein Aspekt verhindert, dass Du produktiv bist und Deine Kreativität vollends ausschöpfen kannst: Die Informationsflut, der wir alle ausgesetzt sind und die niemals endet, egal wie viel wir konsumieren: Immer und ständig Inhalte konsumieren zu können, bedeutet, der Ruhe nie einen Raum zu geben, sondern die Stille sofort wieder mit Content füllen zu wollen.

In bestimmten Momenten des kreativen Prozesses brauche ich das Alleinsein, um mich überhaupt vertiefen zu können und mit meiner Idee in den Dialog zu gehen. Unvorstellbar ist da zum Beispiel, dass mir in diesen Momenten andere Menschen bei­wohnen dürften. Ich würde mich beobachtet fühlen, auch wenn ich gar nicht beobachtet werde. Aber der bloße Gedanke, dass man mir auf die Finger schaut, während ich selbst etwas herausfinden möchte, würde mich stören und verunsichern. Das gilt natürlich nicht für jeden Moment! Schließlich gebe ich auch Workshops, wo genau das passiert, andere mir auf die Finger schauen (dürfen). Doch auf diese Situationen bin ich vorbereitet und in gewissem Sinne entsteht hier nichts weltbewegend Neues für mich, sondern ich zeige bereits erprobte kreative Prozesse und Vorgehensweisen.

Die eigene, zeitlich begrenzte Isolation zu kultivieren, sich ihr bewusst immer wieder auszusetzen, auch oder gerade weil es manchmal schwerfällt, halte ich deshalb für enorm wichtig, um der eigenen kreativen Identität nahe sein zu können und sich vor fremden Blicken und (vermeint­ licher) Bewertung zu schützen.

Durch Gegensatz zu mehr und besserem Output

Und gerade der Kontrast von Einsamkeit und Geselligkeit, der entsteht, wenn Du von Zeit zu Zeit das Alleinsein auskostest, wird Dich anschließend die Geselligkeit mit anderen wieder mehr genießen lassen. 

Das jeweils andere Extrem kann Dir Erholung bieten und einen Ausgleich verschaffen: Die Einsamkeit lässt Dichvon der trubeligen Gesellig­ keit und Informationsflut herunterkommen und bietet Platz für eigene Gedanken und Selbstreflexion. Und die Geselligkeit, das Miteinander tut Dir wieder gut, wenn Du länger mit Dir allein gewesen bist. So kannst Du Dich mit Deinem kreativen Bewusstsein wieder sozial neu verorten.

Soviel also zum Sinn der Isolation.

Hier kommt nun die heutige Impulsaufgabe für Dich:

Isolationsübung

Nimm Dir Zeit, Dich von allen Menschen, die Dich umgeben, zu isolieren. Überleg Dir vorab, wieviel Zeit nötig ist, damit Du mal zur Ruhe kommen und nachdenken kannst. Es geht hier ggf. nur um 30 Minuten, vielleicht hast Du aber auch die Möglichkeit, einen ganzen Me-Time-Tag zu machen.

Wichtig ist das Bewusstsein, mit dem diese freie Zeit mit Dir einhergeht, weniger wichtig ist tatsächlich, wie Du diese Zeit füllst.

Du kannst z.B. Spazierengehen oder Dich mit einer Decke und einem Tee aufs Sofa kuscheln. Wichtig ist, wie gesagt, dass Du Dir bewusst machst:

«Das ist jetzt meine Zeit. Und ich lasse niemanden, wirklich niemanden diese Zeit stören oder unterbrechen. Ich bin jetzt mal x Minuten oder x Stunden nur für mich.»

Und dann hängst Du Deinen Gedanken nach. Es geht nicht darum, etwas zu lesen/zu hören/zu konsumieren. Es geht vielmehr darum, dass Du Dich ausschließlich mit Dir beschäftigst.Vielleicht hast Du ein Thema, über das Du nachdenken möchtest, etwas was Dich schon sehr lange beschäftigt.

Oder Du möchtest über etwas nachdenken, was Strategie erfordert und wo Du bestimmte Entscheidungen gegeneinander abwägen und dann treffen musst. Es kann etwas Privates sein oder etwas Berufliches. Ganz egal. Wichtig ist, dass Du gegen Ende dieser Isolationsphase Deine Gedanken, Teilergebnisse und Ergebnisse aufschreibst oder irgendwie festhältst und dann einen Plan machst, wie es damit weitergeht und wann Du das umsetzt. Das ist schon alles. Kein Hexenwerk.

Ggf. brauchst Du mehr als einen Isolationstermin.Vielleicht legst Du am Ende gleich noch den nächsten Termin fest! Zack. Fertig. Viel Spaß bei der Umsetzung.

 

Das war mein 41. Impuls für Dich!

Wenn Du noch Fragen dazu hast, schreib mir gern an oder sprich mir bei Speakpipe eine Sprachnachricht ein. Ich freue mich in jedem Fall über Feedback von Dir zu dieser speziellen Aufgabe! Lass mich wissen, ob dieser Impuls etwas mit Dir gemacht hat!

 


Diesen Blogartikel als Podcastfolge anhören

Und hier kommt die Impuls #41-Podcastfolge zum direkten Nachhören:

Der kreative Flow von Roberta Bergmann

 

 

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