Christine Moosmann im Kurzinterview

Heute stelle ich Dir die Chefredakteurin vom Grafikmagazin in meiner kleinen Interviewreihe vor. Mit Christine Moosmann habe ich über Ihre Arbeit gesprochen. 

Sie war außerdem mein Gast in  Folge 82 meines Podcasts. Die Folge findest Du am Ende des Interviews (oder überall, wo es Podcasts gibt)!

1. Wer bist Du und was machst Du?

Hi, ich bin Christine. Ich bin die Co-Gründerin und Mitinhaberin des Phoenix Verlags für Grafikdesign, Chefredakteurin des Grafikmagazins und arbeite als freie Designjournalistin.

2. Du arbeitest ja als Chefredakteurin für das Grafikmagazin. Welches sind Deine Hauptaufgaben, bis ein Magazin erscheint?

In der Redaktion des Grafikmagazins

In der Redaktion des Grafikmagazins (Foto: Redaktion)

Was ich hauptsächlich mache, ist zunächst die Terminplanung. Ich bin diejenige, die die Termine setzt, sie alle im Blick behält und dafür sorgt, dass jeder seine Arbeit pünktlich abliefert. Das ist manchmal wie ein Sack Flöhe hüten 😉

Dann mache ich den Heftplan, sprich entscheide in Absprache mit den Kolleg:innen, was ins Heft kommt. Steht der Plan, verteile ich die Arbeit und informiere die Autor:innen, bis wann sie welchen Text liefern müssen.

Parallel dazu recherchiere ich, plane Interviews und fange an, meine eigenen Texte zu schreiben. In der Layoutphase sehe ich mir alle Seiten an, mache Verbesserungsvorschläge und wenn dann alles steht, schaue ich, dass wir überall die nötigen Credits drin haben, dass da, wo nötig, Freigabe-PDFs rausgegangen sind, alles geprüft ist und wir nichts vergessen haben. Dann geht das Heft in Druck.

Darüber hinaus kümmere ich mich um die Papiere, die wir einsetzen. Ich kümmere mich um den Druck oder die Druckveredelung für das Cover und in Abstimmung mit unserem Art Director um ein Cover-Design.

3. Wie kommst Du auf neue Themen für die verschiedenen Ausgaben?

Grafikmagazin-Ausgabe zum Thema "Health & Fitness"

Grafikmagazin-Ausgabe zum Thema „Health & Fitness“ (Foto: Redaktion)

Die Themen besprechen und wählen wir gemeinsam im Team. Wir bekommen von allen Seiten sehr viel Input, Leute schicken uns ihre Arbeiten zu, wir gehen auf Veranstaltungen und Konferenzen und sitzen in Design-Jurys.

So haben wir eigentlich immer einen ganz guten Überblick über das, was gerade in der Designszene passiert. Die Themen finden also quasi uns.

4. An welchem aktuellen Artikel / Thema sitzt Du gerade für das Grafikmagazin?

Wir sind schon in der Vorbereitung für die erste Ausgabe 2024. Da haben wir zum einen den Schwerpunkt »Packaging«, ein Thema, das ich persönlich immer sehr spannend finde. Hier gibt es gestalterisch immer viel zu entdecken, das ist aber auch ein Bereich, in dem zum Beispiel Material-Innovationen sehr viel zum Umweltschutz beitragen können. Weil Verpackungen einen großen Teil an Ressourcen verbrauchen, kann man hier durch Veränderungen sehr viel bewirken.

In unserem Fokus wird es um »Design im öffentlichen Raum« gehen. Das finde ich auch sehr interessant, denn Design kann dazu beitragen, dass öffentliche Räume sicherer werden, besser nutzbar sind, es weniger Lichtverschmutzung gibt, etc.

5. Mit wem würdest Du gern mal gestalterisch für eine Ausgabe zusammenarbeiten?

Mit dem Schweizer Studio Balmer Hählen, die machen für und mit der Druckerei Sonderegger wirklich irre Sachen in Print. Es wäre toll, gemeinsam mal ein Cover zu machen, dass im Design Grenzen sprengt, die Drucker so richtig fordert und zeigt, was mit Print möglich ist.

6. Hast Du kreative Vorbilder, wer oder was inspiriert Dich?

Eine Ausgabe, verschiedene Cover. Hier im Risodruck! (Foto: Redaktion)

Eine Ausgabe kann auch mal verschiedene Cover haben. Hier Magazine, die im Risodruck entstanden sind. (Foto: Redaktion)

Ich habe keine konkreten Vorbilder, denn ich kenne niemanden, mit dem meine Situation vergleichbar wäre.

Was ich aber bei anderen Leuten bewundere, sind Engagement und Leidenschaft. Egal ob sich Menschen ehrenamtlich engagieren, freie Projekte verfolgen oder zum Beispiel Events oder Veranstaltungen organisieren, von denen andere profitieren.

Leistungsbereitschaft imponiert mir auch. Wenn sich ein Drucker mit dem Buchbinder am Wochenende hinsetzt, um auszutüfteln, wie sie unser nächstes Heft binden können.

Im meinem Beruf habe ich Gott sei Dank oft mit Menschen zu tun, die für das brennen, was sie machen. Das schätze ich sehr.

Wenn die Chefin vom Veredelungsbetrieb sich mit ihren Leuten reinhängt, um etwas möglich zu machen, was eigentlich gar nicht geht. Oder wenn das kleine Studio, seine Entwürfe noch mal umschmeißt, weil es nicht nur gut, sondern perfekt sein soll.

7. Was schätzt Du an Deiner Arbeit als Chefredakteurin am meisten?

Die Vielfalt und die Tatsache, dass ich so vieles mitbekomme, oft schon im Planungsstadium.

 

In der Redaktion des Grafikmagazins

Redaktionsbesprechung des Grafikmagazins. Funktioniert die Abfolge der Seiten? Fehlt noch etwas? Feinschliff. (Foto: Redaktion)

Sehr schön ist es, dass wir mit unserer Arbeit anderen viel geben können, dass wir durch das Grafikmagazin all diese großartigen Arbeiten wertschätzen können.

Und was ich auch sehr schätze, ist, dass ich mein eigener Herr bin. Ich trage zwar viel Verantwortung, wann ich was mache, entscheide ich aber selbst.

8. Welchen Tipp hättest Du gern Deinem jüngeren Ich gegeben?

Oft mal mutiger und fordernder zu sein. Und sich, wenn beruflich oder privat mal Leerlauf ist, in etwas anderes stürzen und sei es ein Strickkurs.

9. Was liest Du gerade oder hast Du gelesen, was Dich nachhaltig beeindruckt hat?

Tatsächlich habe ich grade erst »Über Menschen« von Juli Zeh gelesen. Das habe ich lange nicht angerührt, weil ich von Corona eigentlich genug hatte. Es ist aber ein sehr tolles, tröstliches und sehr menschliches Buch.

10. Wenn Du Dir noch etwas für das Grafikmagazin wünschen könntest, was wäre das?

Detail eines Covers, entstanden im Risodruck. (Foto: Redaktion)

Detail eines Covers, entstanden im Risodruck. (Foto: Redaktion)

Wir haben gerade unser dreijähriges Bestehen gefeiert und sehr viel Zuspruch erhalten. Es verschwinden immer mehr Zeitschriften und auch Fachmagazine. Das ist ein Jammer und auch nicht gut für unsere Meinungsbildung.Ich wünsche mir, dass es das Grafikmagazin noch lange gibt und den Menschen bewusst wird, wie wichtig Meinungsvielfalt und qualitativ hochwertiger und wertschätzender Journalismus sind.

 

Danke für das schöne Gespräch, liebe Christine!

Die Antworten, die Du hier lesen kannst, sind kein Transkript aus der besagten Folge, sondern ein Bonus! Es lohnt sich also unbedingt, den Podcast mit Christine anzuhören.


Dieser Artikel ist eine Ergänzung zum Interview mit Saskia Gaulke in meinem Podcast «Der kreative Flow».
Hier kannst Du Dir Folge #82 direkt anhören:
Cover Podcast "Der kreative Flow"
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