Solveig Börnsen

Solveig Börnsen im Kurzinterview

Heute stelle ich Dir Solveig Börnsen  in meiner kleinen Interviewreihe vor. 

Sie macht den Auftakt zu einer Vorstellungsserie von tollen Flow-Community-Mitgliedern, die den kreativen Flow aktiv unterstützen, begleiten und mittragen!

1. Wer bist Du und was machst Du?

Ich heiße Solveig Börnsen, wurde 1986 in der Nähe von Bremen geboren und lebe nach Stationen in Mannheim, Berlin, Boston und Hannover dort heute wieder mit meinem Mann und unseren zwei Söhnen – und unserem liebenswert wuscheligen Hund.

Ich liebe es, mich mit verschiedenen kreativen Techniken zu beschäftigen: Illustration, Linoldruck, Collage, Postkunst, Malerei.

2014 habe ich Urban Sketching für mich entdeckt und meinen Mann auch darüber kennengelernt. Seitdem „zeichnen wir gemeinsam“, wie es auch in der Gravur in unserem Ehering heißt.

Seit 2016 sind wir Mitglieder der Künstlergruppe „Mittwochssketchies“ in Hannover – wenn auch durch unseren Umzug in meine alte Heimat heute nur noch passiv. Zudem sind wir Gründungsmitglieder der Urban Sketchers Hannover. Wann immer es meine Zeit erlaubt, hole ich mein Skizzenbuch raus oder werkle in meinem kleinen Atelier.

 

Solveig Börnsen zeigt einen Einblick in ihre Skizzenbücher

Solveigs Skizzenbücher (Foto: privat)

2. Woher kommt Deine Leidenschaft fürs Kreativsein?

Ich habe schon als Kind sehr gern gezeichnet, gemalt und mir Geschichten ausgedacht. Als Jugendliche habe ich an Schreibwettbewerben teilgenommen und wollte Schriftstellerin oder Journalistin werden. Das Zeichnen und Malen war aber immer eine Konstante.
Bei uns zu Hause waren kulturelle Themen allgegenwärtig: Es gab viele Bücher – Romane, Sachbücher und Bildbände und ständig lief klassischer Musik. Unser Vater baute abends beim Fernsehen filigrane Schiffsmodelle aus Karton, die allein durch ihre Form schon ästhetisch sind. Ein Teil unserer Familie ist außerdem als freiberufliche Grafiker und Kunsthandwerker tätig. Kreativität war also allgegenwärtig.

3. Gibt es Rituale bei Dir, um in den kreativen Flow zu kommen?

Das Material in meinem Atelier, der Geruch der Farben, der Anblick meines kleinen Sammelsuriums kurioser Andenken, die von Reisen und Ausflügen stammen… das alles bringt mich in eine experimentierfreudige und spielerische Stimmung.

Solveig Börnsens Atelier

Einblick in Solveigs Materialienschrank in ihrem Atelier. (Foto: privat)

Aber so häufig sind diese Auszeiten im Atelier mit zwei kleinen Kindern, Hund und Haus aktuell nicht. Daher versuche ich mich in jüngster Zeit eher in „better done than perfect“ zu üben: Lieber eine Fünf-Minuten-Skizze, als gar nicht zeichnen.

Detail aus Solveig Börnsens Atelier.

Detail aus Solveigs Atelier. (Foto: privat)

So habe ich manchmal, wenn unser Sohn endlich eingeschlafen war, im Halbdunkel eine kleine Skizze von ihm gemacht.

Aus Solveig Börnsens Skizzenbuch.

Aus Solveigs Skizzenbuch. (Foto: privat)

Oder neulich im Italien-Urlaub: Ich wartete darauf, dass jeder aus der Familie sich die Kirche San Giovanni Battista im Bergdorf Mogno angesehen hatte. Die Pause reichte gerade so für eine kleine Skizze. Dieser Moment ist mir von dem Ausflug am stärksten in Erinnerung.

Ich sehe das auch als Achtsamkeitsübung. Das Zeichnen hilft mir, den Moment wahrzunehmen. Es erlaubt mir, das Hier und Jetzt zu genießen: Das Rauschen des Windes in den Blättern, die Vogelstimmen, die Gesprächsfetzen der Menschen um mich herum. Manchmal fließt das auch als Notiz in die Skizze ein.

4. Welchen Tipp hättest Du gern Deinem jüngeren Ich gegeben?

Weniger Kaffee trinken, mehr zeichnen 😉

5. An welchem aktuellen Projekt sitzt Du gerade?

Gerade habe ich meinen Beitrag für die Schachtelkunst fertig gestellt – eine tolle Community-Aktion von „Der kreative Flow“!

Da den Schachteln auch Kontaktdaten beiliegen, habe ich mir endlich einen lange gehegten Wunsch erfüllt und mir Visitenkarten erstellt und drucken lassen. Ich habe dafür ein Logo entwickelt und die Schriften zunächst von Hand gezeichnet, bevor sie digital weiterverarbeitet wurden. Jeder Schachtel liegen jetzt also ganz frische Visitenkarten bei!

Solveig Börnsens Beitrag zur "Schachtelkunst"-Aktion von "Der kreative Flow"

Solveig Börnsens Beitrag zur „Schachtelkunst“-Aktion von „Der kreative Flow“ (Foto: privat)

Ende letzten Jahres war ich außerdem bei der Skizzenbuchreise „Was Kreativität für einen persönlich bedeutet“ von „Der kreative Flow“ dabei. Ich freue sehr darüber, Teil dieses besonderen Gemeinschaftsprojektes zu sein.

 


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6. Womit beschäftigst Du Dich thematisch (zeichnerisch?) am liebsten?

Während meines Studiums in Boston hatte mir eine Bekannte ein selbst gebundenes Skizzenbuch geschenkt. Irgendwie entstand die Idee, es nur mit Portraits zu füllen, als kleiner Ausgleich zwischen den Lernphasen.

Die Vorliebe zu Portraits ist geblieben und so kommen häufig Gesichter (ausgedachte oder nach einem Vorbild) aufs Papier, wenn ich einfach so ohne Plan vor mich hin zeichne.

Aus Solveigs Skizzenbuch (Foto: privat)

Aus Solveigs Skizzenbuch (Foto: privat)

 

Aus Solveig Börnsens Skizzenbuch

Aus Solveigs Skizzenbuch (Foto: privat)

Ein Motiv, das ich ebenfalls immer wieder zeichne, drucke oder male ist der Harlekin. Irgendwie spricht mich dieses wohlwollend-fröhliche und unangepasste Wesen mit seinem bunten Kostüm an. Es ist mein persönliches Maskottchen, das mich daran erinnert, nicht immer alles so ernst zu nehmen. Der Harlekin taucht daher sowohl auf meinen Visitenkarten als auch in der Schachtelkunst auf.

Linolschnitt eines Harlekins von Solveig Börnsen

Linolschnitt eines Harlekins von Solveig Börnsen

7. Hast Du kreative Vorbilder, wer oder was inspiriert Dich?

Meine Großtante Solveg Börnsen hat mir viele Anregungen gegeben: Monotypie, Linoldruck und mein seit Jahren liebstes Zeichenwerkzeug, ein japanischer Pinselstift mit tiefschwarzer Tusche. Nachdem sie ihre Töpferwerkstatt in Cuxhaven 1996 geschlossen hatte, konzentrierte sie sich auf Druckgrafik, Zeichnung und Malerei und war noch bis ins hohe Alter künstlerisch aktiv und als Künstlerin in Cuxhaven bekannt. Trotz des Altersunterschiedes von zwei Generationen war sie für mich eine liebe Freundin, ein kreatives Vorbild und eine Mentorin, deren Neugierde, Offenheit und fröhlich-verspielte Grundhaltung mich nach wie vor inspiriert.

Als ich mit meinem VWL-Studium begann, schrieb sie mir einen Brief rund um Kunst, Ausstellungen und philosophische Gedanken. Das sollte der Auftakt eines langen, wöchentlichen Briefwechsels werden. Die Briefe verzierten und ergänzten wir mit Skizzen, Collagen und Zeitungsausschnitten über Ausstellungen, Geschichte und Politik. Zeitweise enthielt diese Postkunst auch eigens dafür gedruckte, gezeichnete oder gemalte Bilder, die als Frage- und Antwort-Spiel zwischen uns hin und her gingen.

8. Was schätzt Du am Kreativsein am meisten?

Ich schätze am meisten, dass das Kreativsein mir Freiheit erlaubt. Ich kann meinem Spieltrieb hemmungslos folgen, mit Techniken, Material und Motiven experimentieren und mich einfach vom Spaß am Machen leiten lassen.

Aus Solveig Börnsens Skizzenbuch

Aus Solveigs Skizzenbuch (Foto: privat)

9. Auf welches Projekt, das Du verwirklicht hast, bist Du besonders stolz?

Auf ein kleines Geschenk, das ich für unseren älteren Sohn zu seinem zweiten Geburtstag gemacht habe: Eine Kiste für seine Spielzeugautos, die ich bemalt habe und die immer noch seine Feuerwehrautos beherbergt. Abends, wenn er schlief, habe ich im Atelier gesessen und sie bemalt.

Spielzeugkiste, bemalt von Solveig Börnsen

Spielzeugkiste, bemalt von Solveig Börnsen (Foto: privat)

Auf andere Weise stolz bin ich auf meinen kleinen Etsy-Shop. Dort verkaufe ich Linoldrucke und Aquarelle als Originale im Postkarten- und Lesezeichenformat.

Postkarte aus dem Etsy-Shop von Solveig Börnsen.

Postkarte aus dem Etsy-Shop von Solveig (Foto: privat)

10. Welchen Podcast, welches Buch oder/und welches kreative Werk hat Dich in letzter Zeit nachhaltig beeindruckt und warum?

Ich beschäftige mich unheimlich gern mit Kunstgeschichte, weil es mich inspiriert. Seit Jahren höre ich daher sehr gerne den Kunstgeschichte-Podcast „Augen zu“ der ZEIT mit Giovanni di Lorenzo und Florian Illies. In jeder Folge wird ein Künstler oder eine Künstlerin aus der Kunstgeschichte thematisiert.

„Life is better when You Draw It“ von Koosje Koene ist ein Buch, das mich immer ermutigt, auch kleine Gelegenheiten für eine Zeichnung zu nutzen.

Eine Ausstellung, die mich zuletzt besonders beeindruckt hat, war „Kirchner Holzschnitte. Benjamin Badock, Gabriela Jolowicz und Thomas Kilpper“ in der Bremer Kunsthalle.
Die zeitgenössischen Künstler, die dort in einen Austausch mit Kirchners Werk getreten sind, haben mich echt gepackt. Unter dem Titel „Woodcut Maelatrom“ waren beispielsweise Wände und Decke eines Raumes mit einem riesigen Holzschnitt von Thomas Klipper dekoriert. Die Druckplatte, bestehend aus vielen zusammengesetzten Platten, bildete den Fußbodenbelag und durfte betreten werden. Es war ein komisches Gefühl, darüber zu laufen und Platte und Druck aus dieser besonderen Perspektive zu vergleichen.

Danke für das schöne Gespräch, liebe Solveig!

 


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Den Podcast „Der kreative Flow“ gibt es seit Anfang 2019. Inzwischen sind 8 Staffeln und etwa 275 Folgen erschienen. (Grafik: R. Bergmann)

Coverfoto: © Solveig Börnsen

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