Dominik Schmitz vom Open Press Project

Dominik Schmitz im Kurzinterview

Heute stelle ich Dir Dominik Schmitz  in meiner kleinen Interviewreihe vor. 

Er war außerdem mein Gast in Folge 120 meines Podcasts „Der kreative Flow“. Die Folge findest Du am Ende des Interview-Textes (und überall, wo es Podcasts gibt)!

1. Wer bist Du und was machst Du?

Ich bin Dominik – eines von drei Teammitgliedern im Open Press Project. Zusammen haben wir das Ziel, die Druckkunst ein wenig zugänglicher zu machen.
Gestartet sind wir dabei mit einer Tiefdruckpresse, die man selber 3D drucken kann und die kostenfrei im Internet zur Verfügung steht. Mittlerweile haben wir verschiedene Pressen und auch schon seit mehreren Jahren einen internationalen Kunstaustausch, den Open Print Exchange, bei dem pro Jahr etwa 400 Menschen weltweit ihre Druckgrafiken über uns tauschen.

 

"Open Print Exchange"-die Ausstellung zum offenen Wettbewerb im Kunstmuseum Bonn 2021/22 (Foto: © Open Press Project)

„Open Print Exchange“ – die Ausstellung zum offenen Wettbewerb im Kunstmuseum Bonn 2021/22 (Foto: © Open Press Project)

Mit allen Drucken haben wir eine große Online-Galerie angelegt und jedes Jahr gibt es einen gedruckten Katalog. Außerdem organisieren wir mit Hilfe unserer tatkräftigen Community zahlreiche internationale Ausstellungen der Arbeiten.

 

"Open Print Exchange"-Nahaufnahme zur Ausstellung zum offenen Wettbewerb im Kunstmuseum Bonn 2021/22 (Foto: © Open Press Project)

„Open Print Exchange“- Nahaufnahme zur Ausstellung zum offenen Wettbewerb im Kunstmuseum Bonn 2021/22 (Foto: © Open Press Project)

2. Woher kommt Deine Leidenschaft für den 3-D-Druck von Tiefdruckpressen?

Der ursprüngliche Erfinder der 3D-gedruckten Tiefdruckpresse, also der Kern des Open Press Projects, ist Martin. Martin Schneider habe ich in unserem Design-Studium kennengelernt, war sehr beeindruckt von seinen verschiedenen Arbeiten und habe ihn damals gefragt, ob ich ihn irgendwie durch Fotos/Videos – ich bin eigentlich Fotograf – unterstützen kann. Und so ist über die Jahre eine sehr enge Zusammenarbeit, eine Freundschaft und ein Unternehmen entstanden.

 

Die beiden Gründer des Open Press Project Martin Schneider (links) and Dominik Schmitz (rechts). (Foto: Dörte Köstlin-Thompson)

Die beiden Gründer des Open Press Project Martin Schneider (links) and Dominik Schmitz (rechts). (Foto: © Dörte Köstlin-Thompson)

3. Gibt es feste Rituale bei Euch in der Firma, um gemeinsam produktiv zu sein?

Es gibt vielleicht kleine Rituale; wichtig ist, glaube ich, für uns die Art, wie wir zusammenarbeiten. Dabei sitzen wir uns an einem Schreibtisch (der viel zu voll ist) direkt gegenüber. Wir besprechen fast alles gemeinsam und haben immer die Möglichkeit, zu allem, woran wir gerade arbeiten, Rückmeldungen vom Gegenüber zu bekommen.
Als kleines Ritual könnte man auch bezeichnen, dass wir zu bestimmten Fragen halb ernst und halb Spaß vollkommen gegensätzliche Positionen einnehmen und so verschiedenste Features oder Lösungsmöglichkeiten für Probleme diskutieren. Martin und ich sind eigentlich sehr unterschiedlich, und so entstehen spielerisch und freundschaftlich manchmal spannende Lösungen.

 

Die 3D-gedruckte Druckpresse kann an einem Tisch befestigt werden und macht Techniken wie Kaltnadelradierung, Radierung, Gravur, Collagraphie, Linolschnitt und Holzschnitt zugänglicher. (Foto: © Open Press Project)

Die 3D-gedruckte Druckpresse kann an einem Tisch befestigt werden und macht Techniken wie Kaltnadelradierung, Radierung, Gravur, Collagraphie, Linolschnitt und Holzschnitt zugänglicher. (Foto: © Open Press Project)

4. Welchen Tipp hättest Du gern Deinem jüngeren Ich gegeben?

Puh – das ist eine große Frage für mich, und ich habe meine Zweifel, ob mein jüngeres Ich auf mich hören würde 😉 Ein konkreter Tipp an mein jüngeres Ich wäre vielleicht, dass er seinem Gefühl vertrauen kann (und sollte), das Unternehmen bzw. Arbeit auch fair, sozial und ethisch sein kann (und sollte).

5. An welchem aktuellen Projekt sitzt Du gerade ?

Wir haben eigentlich fast immer mehrere nächste Projekte in der Pipeline, auf die wir uns auch immer sehr freuen und die wir immer sehr spannend finden, da sie so gut wie immer aus Eigenmotivation entstehen. Gleichzeitig leben wir eher in dem Dilemma, dass der Geschäftsalltag so viel Zeit in Anspruch nimmt, dass wir unsere Projekte nicht so schnell umsetzen können, wie wir gerne möchten. 
Aber wir freuen uns zum Beispiel sehr, dass es bald eine Erweiterung unseres Stempelsets „BlockFace“  geben wird.

 

Das Blockface-Stempelset kann ebenso online bestellt werden. Damit kann man sowohl Schrift als auch Bilder stempeln. (Foto: © Open Press Project)

Das Blockface-Stempelset kann ebenso online bestellt werden. Damit kann man sowohl Schrift als auch Bilder stempeln. (Foto: © Open Press Project)

Wir haben mit Designer Will Mower zusammen ein typografisches Stempelset entwickelt, mit dem aus verschiedenen Grundformen Schriften erzeugt werden können und ganz kreativ und spielerisch mit Typografie umgegangen werden kann. Die Erweiterung ist nochmal ganz anders und wir sind gespannt, was Leute damit machen werden.
Es gibt aber noch viele weitere, größere und kleinere Projekte, deren Umsetzung wir schon begonnen haben. Als Erstes erfährt man davon über unseren Newsletter oder Patreon. Unser Newsletter kommt nur bei tatsächlichen Neuigkeiten – meist mit vielen Monaten Abstand.

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6. Warum sollten sich mehr Menschen mit Druckgrafik beschäftigen?

Ich möchte niemandem sagen, dass sie sich mehr mit Druckgrafik oder kreativer Arbeit beschäftigen sollten – ich schaffe das selbst nur wenig und habe den größten Respekt vor allen, die es schaffen! Gute Gründe gibt es natürlich viele; für mich ist die Kombination aus der Beschränkung durch notwendige Arbeitsschritte oder eine gewisse Systematik, verbunden mit der totalen Freiheit durch unzählige verschiedene Drucktechniken, super spannend und irgendwie eine gesunde Kombination.

 

Die Open Press ist robust genug, um perfekte Radierungen auf Papier bis zu einer Größe von 7,5 x 23 cm zu drucken. (Foto: © Open Press Project)

Die Open Press ist robust genug, um perfekte Radierungen auf Papier bis zu einer Größe von 7,5 x 23 cm zu drucken. (Foto: © Open Press Project)

7. Hast Du kreative Vorbilder, wer oder was inspiriert Dich?

In den letzten Jahren, seitdem wir uns so intensiv im Open Press Project engagieren, habe ich primär Vorbilder im unternehmerischen Handeln für mich entdeckt. Das sind zum Beispiel Simon Sinek und Seth Godin. Besonders hat mich aber Uwe Lübbermann mit dem Premium-Kollektiv beeindruckt und inspiriert. Sein Auftreten und seine Erzählungen bei einem Vortrag haben bei mir nachhaltig Steine ins Rollen gebracht und sicherlich einen Einfluss auf das Open Press Project gehabt.

8. Was schätzt Du an Deiner Arbeit als Freiberufler am meisten?

Unsere Arbeit – insbesondere die Zusammenarbeit – genau so gestalten zu können, wie wir das möchten, ist ein riesiges Privileg. Als Martin und ich gegründet haben, haben wir von vornherein eine anarchistische Struktur gewählt, in der wir uns gegenseitig alle Freiheiten geben, aber auch sehr viel Vertrauen einfordern. Das ist etwas, was mich sehr motiviert und wozu ich damals auch meine Bachelorarbeit geschrieben habe, da mich dieser Prozess und diese Art, zusammenzuarbeiten und Dinge anders gestalten zu können, sehr fasziniert.

 

Dominiks Bachelorarbeit kann man kostenlos downloaden. So bekommt man einen Wahnsinns-Einblick in die Gründung des Open Press Project. (Grafik: © Dominik Schmitz)

Dominiks Bachelorarbeit kann man kostenlos downloaden. So bekommt man einen Wahnsinns-Einblick in die Gründung des Open Press Project. (Grafik: © Dominik Schmitz)

9. Auf welches Projekt, das Du verwirklicht hast, bist Du besonders stolz?

Wir gehen unkonventionelle Wege, indem wir die Pläne für die Open Etching Press kostenfrei ins Netz stellen, die Möglichkeit bieten, zu Selbstkosten zu kaufen, an Projekten wie dem Open Print Exchange keinen Gewinn machen und unsere Produkte selbst, fair und lokal produzieren oder produzieren lassen.
Dabei setzen wir primär 3D-Druck ein – eine Technik, die in der Serienfertigung eigentlich nur für Prototypen zum Einsatz kommt. Dass wir trotz alledem nun schon seit fünf Jahren langsam wachsen und z. B. Retouren an einer Hand abzählen können, macht mich tatsächlich sehr froh und – ehrlicherweise – auch stolz auf uns als Team.

10. Welches Werk hat Dich in letzter Zeit nachhaltig beeindruckt und warum?

Wir erhalten jedes Jahr ca. 400 Drucke aus unserem internationalen Druckaustausch, die ich einzeln fotografiere und katalogisiere. Dadurch habe ich jeden Druck mehrmals in der Hand und schaue mir diesen natürlich auch gut an. Obwohl ich den Vorgang mittlerweile kenne, überrascht mich die Vielfalt und Qualität dieser Arbeiten jedes Jahr aufs Neue.

 

"Open Print Exchange"-die Ausstellung zum offenen Wettbewerb im Kunstmuseum Bonn 2021/22 (Foto: © Open Press Project)

„Open Print Exchange“ – die Ausstellung zum offenen Wettbewerb im Kunstmuseum Bonn 2021/22 (Foto: © Open Press Project)

Es ist einfach wunderbar, Werke zu erleben, die einen ganz von selbst förmlich anspringen, im Kopf hängen bleiben und mich noch eine ganze Weile begleiten. Die Vorfreude, den gedruckten Katalog mit allen Werken wenig später in den Händen zu halten, ist jedes Mal riesig.

Danke für das schöne Gespräch, lieber Dominik!

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Den Podcast „Der kreative Flow“ gibt es seit Anfang 2019. Inzwischen sind 9 Staffeln und etwa 260 Folgen erschienen. (Grafik: R. Bergmann)

Die Antworten, die Du hier lesen kannst, sind kein Transkript aus der besagten Folge, sondern ein Bonus! Es lohnt sich also unbedingt, den Podcast mit Dominik und mir anzuhören.

Coverfoto: © Open Press Project


Dieser Artikel ist eine Ergänzung zum Interview mit Dominik  in meinem Podcast «Der kreative Flow».
Hier kannst Du Dir Folge #120 direkt anhören:
Cover Podcast "Der kreative Flow"
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